Audioperformance

24. Mai 2020 11.00


Eine*r, die nichts zu tun hat

LIGNA

Langeweile heißt ein Text von Siegfried Kracauer von 1924. Ein Selbstversuch, die »radikale Langeweile« in Erfahrung zu bringen. Der Feuilletonist empfiehlt dafür, den sonnigen Nachmittag, »wenn alles draußen ist«, in der Bahnhofshalle zu verbringen, einer dieser »Durchgangsstätten, an denen niemand gern weilt«.
Mit ihrer Hörminiatur Eine*r, die nichts zu tun hat lädt LIGNA anlässlich der internationalen Kracauer-Konferenz des Instituts für Sozialforschung zum Verweilen ein. Wartend das Smartphone nicht mit weiteren Bewegungsdaten zu füttern, sondern im Hören einen anderen Erfahrungsraum zu erkunden: Den des Nicht-Identischen, der sich zwischen den Menschen finden lässt, »in jenen Lücken, in denen sich wie in Müllgruben verweste Gedanken und Abfälle von Träumen häufen«.
Die Hörminiatur wird ab dem 20. Mai 2020 über einen QR-Code über die Webseite von LIGNA zum kostenlosen Download angeboten (www.ligna.org).
Mit Stimmen von Xenia Tiling, Sebastian Weber, Walter Heß, Helmut Mooshammer und anderen. Eine Produktion von LIGNA mit Musik von Emilian Gatsov.


Stadtspaziergang

29. Mai 2021, 11.00 Uhr


Das Straßenbild. Flanieren mit Siegfried Kracauer

Stadtspaziergang mit Mirjam Wenzel (Jüdisches Museum Frankfurt) im Gespräch mit Peter Cochola Schmal (Direktor Architekturmuseum),
Rachel Heuberger (ehem. Leiterin der Hebraica-Abteilung der UB Frankfurt),
Inka Mülder-Bach (Ludwig-Maximilians-Universität München)
und Gertrud Koch (Freie Universität Berlin)

Das Straßenbild heißt einer der frühen Texte von Siegfried Kracauer im »Stadt-Blatt« der Frankfurter Zeitung, der lakonisch auf die Straßenreklame zur Frühjahrsmesse 1923 eingeht. Der ausgebildete Architekt entwickelte sich damals zum Chronisten urbaner Modernisierungserscheinungen: seine Artikel, Romane und Studien reflektieren die sozialen und politischen Spannungen der Weimarer Zeit, dokumentieren die Entstehung und Gefahren des neuen Leitmediums Film und analysieren die gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich in den Straßen der großen Städte verdichten.

Zum Abschluss der internationalen Konferenz zu Siegfried Kracauer bietet Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, einen Stadtspaziergang zu Orten an, die für »Krac.« von besonderer Bedeutung waren. Neben Auszügen aus seinen Texten werden Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten einen Einblick in einzelne Aspekte seines Werkes und seiner Biographie geben


Gesprächsabend, autorenbuchhandlung marx&co

27. Mai 2020, 20.00 Uhr


Margarete Susman & Siegfried Kracauer.
Von der intellektuell-religiösen Freundschaft zum profanen Zerwürfnis
Elisa Klapheck im Gespräch mit Micha Brumlik
 
Die Religionsphilosophin Margarete Susman und der Kulturjournalist Siegfried Kracauer verband zeitweilig eine intensive, jedoch zwiespältige Freundschaft. Beide publizierten in der Frankfurter Zeitung. Anfangs war Kracauer beeindruckt von der religiösen Erneuerung, für die Susman eintrat, »überhaupt möchte ich nie etwas sagen, wozu Sie nein sagen müßten«. Aber dann wandte sich Kracauer mit der Einstellung »Die Wahrheit liegt jetzt im Profanen« ab. Nach dem Verriss, den Kracauer 1926 über die Rosenzweig-Buber-Übersetzung veröffentlicht hatte, brach Susman endgültig die Freundschaft mit ihm. Kracauer setzte ihr später ein sarkastisches Denkmal in seinem Roman Georg.

Die Frankfurter Rabbinerin und Susman-Kennerin Elisa Klapheck wird anhand von ausgewählten Briefen die intellektuelle Freundschaft zwischen Siegried Kracauer und Margarete Susman nachzeichnen. Das Zerwürfnis beider bezeugt zugleich eine größere Kontroverse über die Rolle der Religion in einer weltlich gewordenen Gegenwart.


Gesprächsabend, autorenbuchhandlung marx&co

10. Juni 2020, 20.00 Uhr


Notizen aus Europa.
Siegfried Kracauers Reiseprotokolle

Julia Amslinger und Kyra Palberg
 
Auf seinen Europareisen zu Beginn der 1960er Jahre verabredet sich der über siebzigjährige Siegfried Kracauer mit den bekanntesten Intellektuellen seiner Zeit zu langen Gesprächen. Im Nachhinein notiert Kracauer dichte Beschreibungen dieser Begegnungen und fertigt kleine literarische Skizzen seiner Gesprächspartner*innen an. Diese Gespräche lassen den Zeitgeist der europäischen 1960er Jahre als offenen Erwartungshorizont erscheinen: Kracauer diskutiert mit Werner Kaegi neue Formen der Geschichtsschreibung, träumt mit Benno Lewy von einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in Israel und fragt Gotthard Günther, ob die Menschen schon bald mithilfe von Computern den Tod besiegen werden können. Kracauer protokolliert jedoch nicht nur das Gesagte, sondern ergänzt das Nicht-Gesagte: er reflektiert darüber, wie er Theodor W. Adornos Dialektik hätte kritisieren können (es aber nicht getan hat); wundert sich über die geheime Telefonnummer Franz Babingers und leitet daraus einen Hang zu irrationalen Ängsten ab; er beschreibt die vernachlässigte Wohnung Daniel Halévys und vermutet dessen baldigen Tod. Das Wiedersehen mit alten Freund*innen und entfernt bekannten Wissenschaftler*innen wird als prekärer Versuch einer Vermittlung zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschriftlicht, die Aufbruchsstimmung in den Unterhaltungen mit detailreichen Beschreibungen des körperlichen Verfalls seiner Gesprächspartner*innen konterkariert. Wir möchten seinen Beobachtungen im Rahmen der Lesung folgen, denn die Zusammenschau seiner Notizen lässt ein sehr genaues und sehr subjektives Tableau der europäischen Intelligenz der 1960er Jahre entstehen und zeigt den Blick Kracauers, der nie aus dem Exil zurückgekehrt ist, auf Europa.


Gesprächsabend, autorenbuchhandlung marx&co

17. Juni 2020, 20.00 Uhr


»Ginster stammte aus F.«
Siegfried Kracauers Heimat als Programm

Lesung und Gespräch mit Wolfgang Schopf