Internationale

Siegfried

Kracauer

Konferenz

19.—21.   2022



Mai

Internationale

Siegfried

Kracauer

Konferenz



19.—21.   2022

Mai


Durch seine bahnbrechende Kombination von qualitativer Sozialforschung, kritischer Zeitdiagnose und skeptischer Geschichtsphilosophie hat Siegfried Kracauer wie kaum ein anderer das Projekt einer interdisziplinären Untersuchung des Strukturwandels des Kapitalismus auf den Weg gebracht. Seine thematisch weit auseinanderliegenden Studien zur zeitgenössischen Massenkultur, zur Kunst, Gesellschaft und Geschichte entziffern eine durch kapitalistische Bedingungen vereinseitigte, auf Naturbeherrschung reduzierte Rationalität.
Damit hat Kracauer wesentlich zur Formierung und Entwicklung der sogenannten Frankfurter Schule beigetragen. Diese häufig verkannte Lebensleistung zu würdigen, Kracauers Werk aus seinem Schattendasein zu befreien und es ins Zentrum der Kritischen Theorie zu rücken ist Absicht und Aufgabe der Internationalen Konferenz. Symposien zu Aspekten seiner Theorie, Foren zur Aktualität seiner Forschungen und Workshops zu einzelnen Schriften sollen die thematische Einheit und Vielfalt sowie die intellektuelle Kraft von Kracauers Werk vergegenwärtigen. Gerahmt wird das Konferenzprogramm von Filmvorführungen, einem Stadtrundgang, einer Performance sowie Lesungen und Gesprächen von April bis Juni. Sie vermitteln ein aktuelles Bild der Geistesgegenwart, Neugier und destruktiven Energie dieses Frankfurter Denkers.




Programm



Donnerstag, 19. Mai 2022 



16.15 Uhr       Festsaal, Studierendenhaus, Campus Bockenheim, Frankfurt 

Eröffnung



16.30–18.30 Uhr      Festsaal, Studierendenhaus, Campus Bockenheim, Frankfurt 

Plenarveranstaltung I
Poetik
der Geschichte

Moderation: Sidonia Blättler

Genesis und Geltung von Kracauers Geschichtstheorie
Jörg Später 

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg



Der ursprünglich geplante Vortrag von
Stephanie Baumann
Eine Tradition der lost causes begründen.
Zu Kracauers »Poetik« der Geschichte
entfällt leider. 




Siegfried Kracauers letztes und posthum veröffentlichtes Buch Geschichte – vor den letzten Dingen ist ein eigenartiges und eigensinniges Buch, das, kaum verwunderlich, wenig Resonanz gefunden hat. Es steht gewissermaßen exterritorial zu seiner Zeit und den Zeitgenossen, ist aber doch nicht aus der Zeit gefallen. Diese Geschichtstheorie ist das Lebenszeugnis des »wunderlichen Realisten«, eine reife Reflexion über alles, was Kracauer in seinem Leben gelernt hat, und eine gelehrte Abhandlung darüber, was wir über die Welt, in der wir leben, bzw. die vergangene Welt wissen können. History ist gewissermaßen his story und kann daher nur biographisch entschlüsselt werden. Der Vortrag fragt daher nach der (profanen) Genesis von Kracauers Geschichtsbuch. Gleichzeitig darf es  durchaus mit einem »Gegenwart-Interesse« gelesen werden (wie er es ausdrücken würde). Es hat Autorität und Aktualität, allerdings weniger als Geschichtsphilosophie (der eine Absage erteilt wird) oder als kritische Theorie des Kapitalismus (darum geht es in dieser Schrift nicht), sondern wegen seines hohen theoretischen wie praktischen Gebrauchswerts für die Wissenschaft und die historische Literatur. Zum Schaden des Fachs und der Öffentlichkeit ist Kracauers letztes Wort über die vorletzten Dinge nach wie vor ein Geheimtipp.


Lumpen sammeln.
Kracauers Suche
nach der historischen Wirklichkeit im Spiegelkabinett totalitärer Versprechungen
Till van Rahden

Université de Montreal

Siegfried Kracauers 1969 veröffentlichte Studie Geschichte — Vor den letzten Dingen zählt zu den wichtigsten geschichtstheoretischen Arbeiten des 20. Jahrhunderts, die sich besonders für Historiker_innen des 19. Jahrhunderts lohnt. Kracauer plädiert dafür, genau hinzuschauen und die historische Wirklichkeit im Detail zu entdecken. Der Verzicht auf letzte Fragen, eindeutige Antworten und analytische Präzision öffnet den Blick für Widersprüche und Paradoxien, Zwischenräume und Ambivalenzen. Für den Historiker als Lumpensammler könnte sich Kracauer dabei als ein störrischer Reisebegleiter und als ein eigensinniger Weggefährte erweisen. Das setzt die Bereitschaft voraus, sich auf Abwege zu begeben, dort wo die Hände schmutzig, die Gedanken verschwommen, aber frei, und die Großtheorien fragwürdig werden, um über den Wert der Lumpen nachzudenken, die sich rechts und links des Weges aufstechen lassen.

19.15 Uhr       Festsaal, Studierendenhaus, Campus Bockenheim, Frankfurt

Abendvortrag


Siegfried Kracauer.
Von der Einheit
in der Vielfalt seiner Schriften

Axel Honneth
Columbia University

Moderation: Ferdinand Sutterlüty

In dem Vortrag soll der Versuch unternommen werden, das grundierende Motiv im häufig für disparat gehaltenen Werk von Siegfried Kracauer zu entdecken. Zu diesem Zweck soll zunächst erst nur negativ verfahren werden, indem gezeigt wird, worin die Einheit in seinen Schriften nicht bestehen kann: Weder das Motiv einer Entschlüsselung des kapitalistischen Getriebes anhand von dessen kulturellen Oberflächenerscheinungen noch das seine Filmtheorie begründende Thema einer Errettung der physischen Wirklichkeit dürfen als eine solche theoretische Klammer seines Werkes betrachtet werden. Stattdessen soll im zweiten Teil des Vortrags dargelegt werden, dass die Einheit in der Vielfalt der Schriften Kracauers in dem Gedanken zu finden ist, jeden Anschein von Natürlichkeit und Gegenständlichkeit in der sozialen Welt durch Nachweis seiner gesellschaftlichen Wurzeln zu zerstören: Von den frühen Schriften aus der Zeit der Weimarer Republik bis hin zum späten Buch über die Schwierigkeiten einer Geschichtstheorie verfolgt Kracauer das Ziel, alles naturhaft Wirkende in Kultur und Gesellschaft zu »entmythologisieren«, um auf diese Weise zur Erweiterung von Vernunft im geschichtlichen Prozess beizutragen.


Freitag, 20. Mai 2022 

10.00–12.00 Uhr      Hörsaal IV, Hörsaalgebäude, Campus Bockenheim, Frankfurt

Plenarveranstaltung II

Die Gesellschaftlichkeit
des Films 

Moderation: Leonie Hunter

Kracauer’s Medium
Inga Pollmann

University of North Carolina at Chapel Hill

Across his work, which extends into various disciplines and concerns various media, Kracauer employs a complex notion of medium and mediation. In his treatise on the detective novel, the human being itself is understood existentially as median being, suspended between lower and upper realms of existence, while in his street texts, specific locales are described as media in a more biological sense of the term, that is, as enabling and nourishing something (in this case, epistemological insights) and containing historical sediments. This talk seeks to connect Kracauer’s understanding of medium and mediation in his early texts to his later writings about film. Kracauer’s medium, understood existentially, environmentally, and aesthetically, bears the marks of his indebtedness to life-philosophy, not least in his direct references to life, but also to body, space and image relations, as well as in the notions of endlessness and continuum so central to Theory of Film and the »passive activity« of the citizen, spectator, and historian. His work is underwritten by correspondences among image aesthetic, philosophical system, and writing style, and the emergent theory of medium in his writing points toward an environmental aesthetic the political implications of which allow us to see anew Kracauer’s currency for both contemporary cinema and critical thought.


Kracauer’s Media Anthropology
Johannes von Moltke
University of Michigan

New media unsettle old humanisms. The advent of cinema, no less than the rise of television or the iPhone, reconfigured the relation between humans and (media) technologies, prompting critics to theorize this reconfiguration in turn. In this sense, film theory always involves media anthropology. Even where it foregrounds aesthetic questions about »film as art«, hermeneutic questions about the meanings of individual films or genres, or sociopolitical questions about the relationship between cinema, society, and ideology, film theory at some level inevitably confronts the question of how cinema inflects the very notion of what it means to be human.
In this talk, I trace the media anthropological impulses that run through Siegfried Kracauer’s life-long work on film, from his Weimar-era film reviews through the Marseille notebooks of the early 1940s, to his American writings and his culminating Theory of Film. In developing his »material aesthetics« for that book, Kracauer sets the cinema »in the perspective of something more general – an approach to the world, a mode of human existence«, thus advancing broad anthropological claims about a medium that he significantly considers to be »not exclusively human«. In my talk, I trace that perspective back to Kracauer’s earlier writings, asking how he configures human lifeworlds and technological media in developing his film theory.


12.30–14.00 Uhr

Workshops 1 bis 4

Der Detektiv-Roman (1925)
Sabine Biebl





Die ersten Leser_innen des Traktats über den Detektiv-Roman zeigten sich wenig angetan von der Lektüre, und bis heute findet die frühe Abhandlung Kracauers eher beiläufige Kenntnisnahme. Gleichwohl spricht vieles dafür, das Traktat jenen programmatischen Texten beizuordnen, in denen Kracauer in den 1920er Jahren zentrale Positionen seines Denkens formulierte. So erprobt er darin erstmals sein Verfahren der gesellschaftlichen »Oberflächenanalyse«: Was der Detektivroman in ästhetischer Verdichtung sichtbar macht, ist das Bild der »durchrationalisierten Gesellschaft«. In Gestalt des Detektivs wird sie beherrscht von der sich »autonom sehenden ratio« »als konstitutivem Prinzip« einer »entwirklichten Welt«. Kracauers Aufmerksamkeit gilt in diesem Text aber nicht in erster Linie den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen ein entfesselter Intellekt wütet, sondern vor allem der erkenntnistheoretischen Konstellation, die die Rationalität aus ihrer Bindung an ein »Unbedingtes« freisetzt. Seine Kritik an der »idealistischen Immanenz-Philosophie« formuliert er auf der Basis eines existenzphilosophisch geprägten Verständnisses des Menschen, der sich »auf das Göttliche« »bezogen weiß« und zugleich teil hat am »nur Seienden«. – Nichts davon findet bruchlos Eingang in Kracauers spätere Texte, doch werden gerade im Rückblick auf den Detektiv-Roman wichtige Konstanten in Kracauers Denken deutlich.



2

Die Angestellten (1930)
Bernd Stiegler




Das Jahr 1929, in dem Kracauer seine Essayfolge Die Angestellten schrieb, wurde nicht zuletzt durch die Fernsehserie Babylon Berlin wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. In der Serie wie auch in Kracauers Buch spielt so etwa das Moka Efti eine prominente Rolle. Bei Kracauer gehört es zu den »Asylen für Obdachlose«, in der Serie zu den Orten, die das Berlin dieser Zeit exemplarisch verkörpern. Kracauers Text hat aber weit mehr als eine solche Zeitreise zu bieten. Auch die aktuell breit diskutierte Frage der »Klassenübergänger« findet hier eine frühe Ausgestaltung. Der Workshop geht der Frage nach der Aktualität von Kracauers Die Angestellten zwischen Zeitdiagnose, Zeitspeicher und Gesellschaftsanalyse nach.


3

Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit (1937)

Nia Perivolaropoulou



Am Anfang des Vorworts zu Jacques Offenbach behauptet Kracauer, dass diese Biografie sich nicht darauf beschränkt, »das Leben des Helden zu schildern«. Unmittelbar danach wird die Charakterisierung seiner monografischen Studie mit einer Kritik des traditionellen Fotoporträts eingeleitet. Sie sei eine Gesellschaftsbiografie, in der nicht, wie in solchen Porträts, die Person alleine »vor einem verschwimmenden Hintergrund steht«, sondern dieser Hintergrund selbst ins Zentrum gerückt wird.
Fast dreißig Jahre nach Erscheinen des Jacques Offenbach, in der Einführung zu History, verweist Kracauer auf eine überraschende Kontinuität: Ihm erscheint das Geschichtsbuch als eine »unbewusste« Fortsetzung seiner Theory of Film. Die Entdeckung dieses Zusammenhangs rechtfertige, so Kracauer, die langen Jahre der Arbeit an der Filmtheorie und gleichzeitig bestätige sie die »innere Notwendigkeit« und »Legitimität seiner historischen Studien«. Mehr noch als die behauptete Kontinuität zwischen der »Materialästhetik« des Films und den Meditationen zur Geschichte überraschen jedoch die von Kracauer angeführten Beispiele historischer Arbeiten: Ginster, Die Angestellten und schließlich das Offenbachbuch.
Kracauers Aussage folgend, schlage ich vor, Offenbachs Biografie als Geschichtsschreibung zu diskutieren und der Frage nach seiner eigenen, disziplinär nicht zu verortenden Reflexionen über Geschichte, Fotografie und Film nachzugehen.


4

Feuilletonartikel (1921-1933)
Felix Trautmann



Kracauers Feuilleton-Beiträge der 1920er und frühen 30er Jahre bilden selbst kein zusammenhängendes Werk. In ihrer thematischen Vielfalt lassen sie gleichwohl bereits die zentralen Denkmotive Kracauers erkennen. Neben Rezensionen, Vortragsbesprechungen und Texten zu Architektur und Städtebau sind es vor allem die sogenannten »Straßentexte« (vgl. Straßen in Berlin und anderswo), mit denen Kracauer den krisenhaften Charakter der kapitalistischen Gesellschaft auf eigenwillige Weise in den Blick nimmt. Denn die Krise erfasst er nicht aus der theoretischen Distanz, sondern anhand der oberflächlichen Erscheinungen: das öffentliche Leben, Straßenszenen und die Freuden der Zerstreuung. Ihre sachliche bis kurzweilige, empirische wie spekulative Beschreibung zielt auf den Zusammenhang von Glücksversprechen und Desillusionierung, ohne diesen zu trivialisieren. Kracauer denkt in den Feuilletons nicht gegen die Masse und liefert ihr keine Wahrheit, die sie nur zu erkennen bräuchte. Vielmehr zeichnet er die Masse selbst in ihrer zerstreuten Gestalt nach, zeigt auf, was sie und worin sie sich verliert. Dies erlaubt es Kracauer, das Uneingelöste ebenso wie das aufziehende Unheil als Momente der Masse selbst auszuweisen. Die Feuilletontexte sind darin Ausdruck eines am Populären tatsächlich interessierten, gleichwohl unversöhnlichen und doch »fröhlichen«, das heißt unabgeschlossenen und unwegsamen Negativismus.


14.–15.30 Uhr

Mittagspause


15.30–17.30 Uhr      Hörsaal IV, Hörsaalgebäude, Campus Bockenheim, Frankfurt

Plenarveranstaltung III

Mikrosoziologie
des Umbruchs

Moderation: Almut Poppinga

Auf der Suche nach den
Konstruktionsfehlern der Wirklichkeit

Ferdinand Sutterlüty

Goethe-Universität Frankfurt a. M.
In einer Rezension aus dem Jahr 1932 spricht Kracauer von einer Literatur, die sich darauf beschränkt, die Realität zu beschreiben, »statt ihren Konstruktionsfehlern auf die Spur zu kommen«. Der darin zum Ausdruck kommende Anspruch, die Wirklichkeit nicht nur dokumentarisch festzuhalten, sondern sie in ihren Entwicklungstendenzen kritisch zu dechiffrieren, kennzeichnet auch die Absicht der soziologischen Arbeiten Kracauers. Er durchleuchtet die strukturellen und kulturellen Umbrüche seiner Epoche. Zugleich aber adressiert er auf unaufdringliche Weise seine Leserinnen und Leser, denen er mit seiner performativen Sozialkritik die Mittel an die Hand geben will, sich selbständig zu jenen Umbrüchen zu verhalten. Dafür verwendet er Analyse- und Darstellungsmittel, die nahe an die erfahrbare Wirklichkeit heranreichen und diese durch Verfremdungseffekte zugleich in eine maximale Distanz rücken. Kracauers szenische Überblendungen, durch welche die Spaltungen und Verbindungen zwischen verschiedenen sozialen Klassen und Sphären sowie zwischen Ideologien und gesellschaftlichen Realitäten ins Auge springen, verweisen auf seine vielschichtige Methode des Vergleichs. Dem lassen sich, wie der Beitrag zeigen soll, wichtige Impulse für die zeitgenössische Soziologie entnehmen.


Zerstreuung, Zersplitterung, Zertrümmerung.
Mikrodimensionen und ihre Schreibweisen
in Siegfried Kracauers journalistischer Prosa
Inka Mülder-Bach
Ludwig-Maximilians-Universität München

Wenn Kracauer eine Mikrosoziologie betreibt, so ist die Dimension, in die er sich dabei begibt, in seinen Schriften der 1920er Jahre nicht einfach gegeben. Die Mikrodimension hat einerseits eine historische Signatur und zeugt von tiefgreifenden sozialen und kulturellen Transformationen. Andererseits ist ihre Konstruktion und Analyse untrennbar verbunden mit kleinen Textformaten und mikrologischen Schreibweisen. Der Vortrag wird diesen Zusammenhängen an Kracauers Prosa der Weimarer Zeit nachgehen.


18.00–20.00 Uhr      Hörsaal IV, Hörsaalgebäude, Campus Bockenheim, Frankfurt

Forum I

Kracauer
und die Soziologie 

Moderation: Axel Honneth

Welcher Kracauer für welche Soziologie?
Christian Fleck
Karl-Franzens-Universität Graz

Über »Kracauer und die Soziologie« zu sprechen, setzt erstens voraus, dass man in Kracauers Werk zumindest drei verschiedene Varianten soziologischer Beiträge auseinanderhält: (1) Seine frühe eher philosophisch inspirierte Abhandlung mit Soziologie im Titel, (2) Die Angestellten und (3) seine im Umfeld des Bureau of Applied Social Research entstandenen Texte der 1950er Jahre. Zweitens muss man wohl auch »Soziologie« näher eingrenzen und zwischen verschiedenen Ausprägungen dieser Disziplin nach Land/Sprache, theoretischer Orientierung etc. unterscheiden. Erst nach diesen Differenzierungen wird es möglich sein, etwas dazu zu sagen, ob Kracauer heute noch »anschlussfähig« ist.


Mit Kracauer von Frankfurt nach Paris
Claudia Honegger
Universität Bern

Nach Abschluss des Soziologiestudiums in Frankfurt hatte ich die Absicht, für ein Jahr nach Paris zu gehen, um als Postgraduierte an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales bei Pierre Bourdieu und bei Historiker_innen der Annales-Schule, die ich bei meiner Arbeit über den Hexenwahn kennen gelernt hatte, zu studieren. Aus dem einen Jahr sind fünf geworden. Hierbei war Siegfried Kracauers Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit der auch und gerade soziologisch wichtigste Text für mich, um mich dieser Stadt annähern zu können. Ich werde folglich dieses Buch ins Zentrum meiner Ausführungen zu Kracauer und die Soziologie stellen.


Die Wirklichkeit faschistischer Propaganda.
Siegfried Kracauers politische Aktualität
Sighard Neckel
Universität Hamburg

Siegfried Kracauer hinterließ mikrologische Modellanalysen einer emblematischen Soziologie, deren empirische Dichte, typologische Genauigkeit und literarische Qualität bis heute einzigartig in einer zunehmend erfahrungsarmen Sozialforschung sind. Interessiert daran, zu verstehen, wie sich in Massenkultur, Massenmedien und politischer Propaganda sichtbare Oberflächen in vorgetäuschte Wirklichkeiten verwandeln, bekommen seine Arbeiten heute insbesondere im Politischen eine neue Aktualität. In seinen erst posthum veröffentlichten (und vom Institut für Sozialforschung seinerzeit verworfenen) Studien zu Masse und Propaganda zeigt Kracauer auf, wie faschistische Propaganda zu einem Selbstzweck wird, der eine eigene soziale Wirklichkeit schafft. Damit hat Kracauer eine analytische Spur gelegt, die uns heute direkt in die propagandistischen Operationsweisen des modernen politischen Autoritarismus hineinführen kann.


Kracauer und die »Zeitungssoziologie«
Barbara Thériault

Université de Montréal

In der Kombination von Soziologie, Literatur und Reportage stehen die Hybridform der Feuilletons, wie Kracauer sie zwischen 1925 und 1933 praktiziert hat, und die Zeitungen, in denen sie veröffentlicht wurden, für eine der Geburtsstätten unserer Disziplin. Hier zeigt sich, was die Soziologie hätte werden können – und noch werden könnte. Denn: Die Miniaturen Kracauers erweisen sich heute als ein Schatz für eine qualitative Soziologie, die auf sinnliche Erfahrungen und Stimmungen aufmerksam macht, die für eine Fülle von Materialen offen ist sowie Wert auf Schreiben und Darstellungsformen legt. Zudem eröffnen die Feuilletonartikel Wege, die Soziologie für ein breites Publikum zugänglich zu machen.


 Samstag, 21. Mai 2022 

10.00–12.00 Uhr      Hörsaal IV, Hörsaalgebäude, Campus Bockenheim, Frankfurt

Plenarveranstaltung IV
Die Öffentlichkeit der Massen

Moderation: Felix Trautmann

Der Serienschreiber.
Kracauer und die Formate des Populären
Ethel Matala de Mazza
Humboldt-Universität zu Berlin

Kracauer hat für das Feuilleton der Frankfurter Zeitung am Fließband Beiträge geschrieben. Einige der bekanntesten sind bereits für sich als Serie angelegt: Die kleinen Ladenmädchen gehen ins Kino etwa oder Die Angestellten. Serien verdanken ihre Popularität der Massenkultur, zu der Kracauer nicht nur als missvergnügter Ideologiekritiker Distanz wahrt, sondern ihr als teilnehmender Beobachter auch entgegenkommt. Im Vortrag soll es um die politischen Anliegen gehen, die seinen Sinn fürs Populäre wachhalten. Denn daran hängen Schicksalsfragen für sein journalistisches Metier: unter der verschärften Medienkonkurrenz erodiert die Öffentlichkeit der Presse.


Ornaments, People, Cities.
Siegfried Kracauer on Masses and Metropolis
Henrik Reeh
University of Copenhagen

Siegfried Kracauer is educated as an architect at the time when Adolf Loos denounces a close connection between ornament and crime in a paper of the same title. Despite the widespread repression of ornament in design and society that follows, Kracauer himself keeps emphasizing the importance of ornament to architectural and urban experience. To be sure, Kracauer soon demonstrates how mass ornaments are exploited by an industry of entertainment, which reflects capitalist society at large. Here, the process of production reduces reason to a narrow ratio. On the other hand, Kracauer claims that a utopian Reason remains at play, not least by way of certain ornaments which allow for the articulation of complexity in human life. In this context, the question arises whether cities generate ornamental features that may challenge instrumental ratio and, furthermore, promote urban culture as a realm of human coexistence and critical reflection. In short, what are the conditions of urban ornaments in the modern city? Siegfried Kracauer addresses this issue in several genres, conceptual contexts, and across a wide range of topics. This lecture explores how an experimental reflection on masses and ornament – spanning architecture, social issues, and urban history – comes about in Kracauer’s writings from the 1920s and 1930s, a period during which the urban condition pervades – but also challenges – novel, essays and historiography.


12.30–14.00 Uhr 

Workshops 5 bis 8

5

 Studien zu Massenmedien und Propaganda
(aus dem Nachlass)

Gérard Raulet



Sehr spät wurde die Arbeit über totalitäre Propaganda wiederentdeckt, weil Kracauer den Kürzungen und Eingriffen Adornos nicht zugestimmt hatte. Zu diesen Eingriffen zählt insbesondere die Änderung des Titels und die Ersetzung der Bezeichnung »totalitär« durch »autoritär«.  Dies macht darauf aufmerksam, dass der Überarbeitung des Manuskripts eine Strategie zugrunde lag, die darauf zielte, Kracauers Text in die theoretische Linie der führenden Köpfe des Instituts für Sozialforschung einzuschreiben. Heute wie damals sind das keine bloßen semantischen Nuancen oder Streitereien, zumal da der politische Kontext eines in verschiedenen Formen um sich greifenden Populismus mehr denn je zu begrifflicher Klarheit auffordert. Ich möchte deshalb in einem ersten Anlauf die theoretischen Positionen und diskursiven Strategien innerhalb des Instituts genauer analysieren und dann die Frage nach der Brauchbarkeit der mobilisierten Begriffe und Modelle aufwerfen.

Obwohl Adorno Kracauer versicherte, dass er das Manuskript zusammen mit Leo Löwenthal und Franz Neumann revidiert hatte, weisen viele Indizien auf Pollocks Theorie des Staatskapitalismus und auf den Vorrang des Politischen vor der Ökonomie hin. Adorno meint sogar, dass die Schwäche von Kracauers Text in ökonomischer Hinsicht eher vorteilhaft ist, weil sie ihn vor einer überholten, ökonomistischen Auffassung des Marxismus schützt. Kracauer definiert den Faschismus etwa wie folgt: »›Der Faschismus‹, so heißt es in der im übrigen recht instruktiven Schrift von Historikus [Arthur Rosenberg] Probleme des Sozialismus, ›ist weiter nichts als eine moderne, volkstümlich maskierte Form der bürgerlich-kapitalistischen Revolution.‹ Aber das ist ein Kurzschluß, dessen Unzulänglichkeit sich daran zeigt, daß sich mit seiner Hilfe weder die Heraufkunft noch die Entwicklung der faschistischen Bewegung ausreichend erklären läßt.« (Totalitäre Propaganda)

Diese Zeilen möchte ich besonders zum Nachdenken geben. Sie stellen die Frage, wo eine illiberale Regierungsweise in Totalitarismus, Autoritarismus oder Faschismus – welcher Art auch immer – umkippt oder umkippen kann.


6

Das Ornament
der Masse (1927)
Susanne Martin



Welche der heutigen massenkulturellen Phänomene eröffnen eine kapitalismuskritische Analyse der Gegenwart? Und wie könnte eine solche Analyse aussehen? Um diese übergeordneten Fragen des Workshops zu beantworten, folgen wir auf der Basis von Das Ornament der Masse Kracauers Methode, die anhand signifikanter massenkultureller Phänomene gesellschaftlich-kapitalistische Grundstrukturen zu erhellen vermag. Neben der Zeitdiagnose, die Kracauer in seinem Essay unternimmt, interessiert das Massenornament als Analysekategorie. Deshalb soll zunächst Kracauers geschichtsphilosophische, materialistische und ästhetische Bestimmung des Massenornaments als Ausdruck eines spezifischen Stands des modernen Gesellschafts- und Vernunftprozesses rekonstruiert werden. An dieser Stelle könnte sich ein Einbezug der Kulturindustrietheorie lohnen, um das Spezifikum der jenseits traditioneller Kulturkritiken verorteten Gesellschafts- und Kapitalismusanalyse der frühen Kritischen Theorie zu konturieren. Abschließend sollen die Relevanz und Aktualität von Kracauers Befunden diskutiert und mögliche Aktualisierungen seiner Methode in Beziehung auf heutige massenkulturelle Phänomene ausgelotet werden.


7

Kleine Schriften zum Film
 
Vinzenz Hediger
Goethe-Universität Frankfurt a.M.

Ähnlich wie bei anderen bedeutenden Filmtheoretiker_innen – man denke an André Bazin oder Gertrud Koch – beginnt bei Siegfried Kracauer das Nachdenken über den Film als Medium und Kunstform mit dem Tagesgeschäft der Filmkritik. Seine Kritiken für die Frankfurter Zeitung aus den 1920er Jahren lassen sich als Prolegomena zu seinen späteren Arbeiten zur Theorie des Films lesen – zu Von Caligari zu Hitler, seinem Versuch, das Weimarer Kino nachträglich psychoanalytisch als Kollektivsymptom einer zum Faschismus strebenden Gesellschaft zu lesen, ebenso wie zur Theorie des Films, dem letzten großen Text in der Geschichte der Filmtheorie zur Frage, ob der Film überhaupt Kunst sein kann (nur teilweise, lautet Kracauers Antwort). In diesem Workshop sollen ausgewählte Kritiken aus den zwanziger Jahren mit Blick auf die Frage nach der in ihnen angelegten theoretischen Reflexionen gelesen werden, und damit auch auf die Frage nach dem Verhältnis von Kritik und Theorie. 



8

Geschichte —
Vor den letzten Dingen (1969)

Jörg Später

Der Workshop entfällt leider. Jörg Später hält dafür am ersten Konferenztag einen Vortrag zu Kracauers Geschichtsbuch. 

Siegfried Kracauers letztes und posthum veröffentlichtes Buch Geschichte – Vor den letzten Dingen ist ein eigenartiges und eigensinniges Buch, das, kaum verwunderlich, wenig Resonanz gefunden hat. Es steht gewissermaßen exterritorial zu seiner Zeit und den Zeitgenossen. Diese Geschichtstheorie ist das Lebenszeugnis des »wunderlichen Realisten«, eine reife Reflexion über alles, was Kracauer in seinem Leben gelernt hat, und eine gelehrte Abhandlung darüber, was wir über die Welt, in der wir leben, bzw. die vergangene Welt wissen können. History ist gewissermaßen his story und kann daher nur biografisch entschlüsselt werden. Gleichzeitig darf Kracauers Geschichtsbuch durchaus mit einem »Gegenwart-Interesse« gelesen werden (wie er es ausdrücken würde). Es hat Aktualität, allerdings weniger als Geschichtsphilosophie (der eine Absage erteilt wird) oder als kritische Theorie des Kapitalismus (darum geht es in dieser Schrift nicht), sondern wegen seines hohen theoretischen wie praktischen Gebrauchswerts für die Wissenschaft und die historische Literatur. Zum Schaden des Fachs und der Öffentlichkeit ist Kracauers letztes Wort über die vorletzten Dinge nach wie vor ein Geheimtipp.



14.00–15.30 Uhr 

Mittagspause


15.30–17.30 Uhr     Hörsaal IV, Hörsaalgebäude, Campus Bockenheim, Frankfurt

Forum II

Kracauer
und die Künste

Moderation: Felix Trautmann

Zerstreuung heute
Juliane Rebentisch           
Hochschule für Gestaltung Offenbach

Aus der Dürftigkeit ihrer Existenz retteten sich die Angestellten in eine Zerstreuung, die ihnen die Einsicht in den soziopolitischen Ursprung dieser Dürftigkeit durch den Glanz der Illusionen verdeckt. Dieser Diagnose aus Kracauers »Asyl für Obdachlose« steht in »Kult der Zerstreuung« eine ganz andere entgegen. Hier wird die Zerstreuung im Gegenteil zum Medium der Einsicht in soziale Wirklichkeit. Denn als Entfaltung einer »puren Äußerlichkeit« sei die Zerstreuung den »äußeren Schäden der Gesellschaft« angemessener als die Prätention von Innerlichkeit, wie sie in den Sphären der »hohen Kunst« anzutreffen sei. Im »reinen Außen« der Oberflächenreize begegne sich das Publikum selbst. Der Impulsvortrag wird der Doppelgesichtigkeit der Zerstreuung bei Kracauer nachgehen und nach deren Aktualität fragen.


Kracauers Filmtheorie
und die Aufhebung der Künste
Gertrud Koch
Freie Universität Berlin

Kracauers Filmtheorie wird oft als essentialistisch charakterisiert, als Ontologie einer Seinsweise des Films. Zu dieser gelangt Kracauer jedoch durch eine implizite geschichtstheoretische These, die den Film durch seine Stellung in der Geschichte zu den anderen Künsten positioniert.



Kracauers Architekturen
Carsten Ruhl
Goethe-Universität Frankfurt a. M.

Was zumeist vergessen wird, Kracauer war zu allem Überfluss auch noch ausgebildeter Architekt. Die wenigen Jahre seiner Tätigkeit als Architekt fielen in eine Zeit tiefgreifender Umwälzungen. Sowohl politisch mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen als auch architektonisch mit dem Neuen Bauen. Wo andere für eine kurze Zeit und während des Krieges bereits an ihren Manifesten zu einer Revolution der Architektur und der Gesellschaft arbeiteten, befasste sich Kracauer allerdings mit ganz anderen Dingen. Etwa mit der Entwicklung der Schmiedekunst des 17. bis 19. Jahrhunderts, so das Thema seiner Dissertation, die 1915 erschien. Mit Beginn von Kracauers Tätigkeit als Redakteur der Frankfurter Zeitung war das Thema der Architektur keineswegs ad acta gelegt. Die Entscheidung, die Architektur gegen das Schreiben einzutauschen, so die These, ging einher mit ihrem Verständnis als produktive Schule des Sehens und Sichtbarmachens.


Die Kunst der Krise
Christoph Menke
Goethe-Universität Frankfurt a. M.

Kracauers berühmte Essays der 1920er Jahre, die er unter dem Titel Das Ornament der Masse versammelt hat, entwerfen eine Geschichtsphilosophie des Bildes, die in einem Modell des Realismus gipfelt. Im Bild (das auf der Höhe der sozialen und technologischen Bedingungen des – damals – gegenwärtigen Kapitalismus ist) geht es um Tatsächliches. In dieser Hervorbringung eines neuen Tatsachensinns durch die gegenwärtige Bildproduktion sieht Kracauer das »Vabanque-Spiel der Geschichte«. Denn sie schwört die »entscheidende Auseinandersetzung« herauf, um die es in der Gegenwart geht: die Auseinandersetzung zwischen der natürlichen und der richtigen, also freien Ordnung.


Mark

Referent_innen




Stephanie Baumann 

Stephanie Baumann ist Maître de conférences an der Université Polytechnique Hauts-de-France (Valenciennes). Sie promovierte mit der Arbeit Im Vorraum der Geschichte. Siegfried Kracauers »History — The Last Things Before the Last« (Konstanz: Konstanz University Press 2014) an der Eberhard Karls Universität Tübingen und an der Université Paris 8. Sie publizierte darüber hinaus zur Feuilletongeschichte, zu Kracauers Propagandaarbeit, zu Elias Canetti und Hermann Broch.

Sabine Biebl

Sabine Biebl promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Dissertation Betriebsgeräusch Normalität. Angestelltendiskurs und Gesellschaft um 1930 (Berlin: Kadmos 2013). Als wissenschaftliche Mitarbeiterin wirkte sie an mehreren Bänden der Werkausgabe Siegfried Kracauers mit und setzte die Neuedition Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films (Berlin: Suhrkamp 2012) um. Zuletzt erschien unter ihrer Herausgeberschaft (zusammen mit Johannes von Moltke und Helmut Lethen): Siegfried Kracauers Grenzgänge. Zur Rettung des Realen. Frankfurt a. M. und New York: Campus 2019.

Sidonia Blättler

Sidonia Blättler hat Philosophie und Germanistik in Zürich studiert. Seit 2006 ist sie wissenschaftliche Geschäftsführerin am Institut für Sozialforschung sowie Mitherausgeberin von WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung.

Christian Fleck

Christian Fleck lehrte bis September 2019 am Institut für Soziologie an der Karl-Franzens-Universität Graz und war von 2005 bis 2009 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (ÖGS). Zu seinen Veröffentlichungen gehören u. a.: (Hg. mit Christian Dayé) Meilensteine der Soziologie. Frankfurt a. M. und New York: Campus 2020; Etablierung in der Fremde. Vertriebene Wissenschaftler in den USA nach 1933. Frankfurt a. M. und New York: Campus 2015.

Vinzenz Hediger

Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und leitet dort das DFG-Graduiertenkolleg »Konfigurationen des Films«. Er ist Gründungsmitglied des European Network for Cinema and Media Studies (NECS) und Herausgeber der Zeitschrift für Medienwissenschaft. Seit 2016 ist er Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählt u. a.: (Hg. zusammen mit Patrick Vonderau) Filmische Mittel, industrielle Zwecke. Das Werk des Industriefilms. Berlin: Vorwerk 8 2007.

Claudia Honegger

Claudia Honegger ist emeritierte Professorin für Allgemeine Soziologie an der Universität Bern. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Kultursoziologie, historische Soziologie und Soziologie der Geschlechterverhältnisse. Zuletzt herausgegeben hat sie (zusammen mit Chantal Magnin und Sighard Neckel): Strukturierte Verantwortungslosigkeit. Berichte aus der Bankenwelt. Berlin: Suhrkamp 2010.

Axel Honneth

Axel Honneth  ist Jack C. Weinstein Professor for the Humanities an der Columbia University in New York und war von 2001 bis 2018 Direktor des Instituts für Sozialforschung (IfS). Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen u. a.: Anerkennung. Eine europäische Ideengeschichte. Berlin: Suhrkamp 2018; Die Armut unserer Freiheit. Aufsätze 2012–2019. Berlin: Suhrkamp 2020.

Leonie Hunter

Leonie Hunter hat Politische Philosophie und Theorie in Zürich, New York und Frankfurt am Main studiert und arbeitet gegenwärtig als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Philosophie der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2021 hat sie die Dissertation »Das Drama im Politischen« eingereicht, eine politische Lektüre der Hegelschen Poetik, die sie am Institut für Sozialforschung und an der École Normale Supérieure in Paris verfasst hat. Sie ist als Botschafterin für die Society for Women* in Philosophy tätig und leitet seit 2018 gemeinsam mit Felix Trautmann den Arbeitskreis »Ästhetik und Medienkultur« am Institut für Sozialforschung.

Gertrud Koch

Gertrud Koch war Professorin für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin (bis 2020) und ist seit 2011 Visiting Professor an der Brown University, USA. Von 2006 bis 2014 war sie Leiterin des Sonderforschungsbereichs »Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste«. Sie ist u. a. Mitherausgeberin der Zeitschrift Frauen und Film, aktuell arbeitet sie an einem Buch über Technoästhetik und Animation. Zu ihren Publikationen gehören u. a.: Siegfried Kracauer zur Einführung. Hamburg: Junius 1996; Die Wiederkehr der Illusion. Film und die Künste, der Gegenwart. Berlin: Suhrkamp 2016.

Susanne Martin

Susanne Martin ist Vertretungsprofessorin für Allgemeine Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Gesellschaftstheorie und kritische Theorie, Intellektuellensoziologie, Emotions- und Affektsoziologie. Sie ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift für kritische Theorie und Mitherausgeberin des Sammelbandes (zusammen mit Jörn Ahrens, Paul Fleming und Ulrike Vedder) »Doch ist das Wirkliche auch vergessen, so ist es darum nicht getilgt«. Beiträge zum Werk Siegfried Kracauers. Wiesbaden: Springer VS 2017.

Ethel Matala de Mazza

Ethel Matala de Mazza ist Professorin für Deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Forschungsgebiete umfassen die Literatur- und Theoriegeschichte des politischen Imaginären, Wechselbeziehungen zwischen Recht und Literatur, Theorie und Ästhetik kleiner Formen sowie Demokratie und Massenkultur. Zu ihren Publikationen gehören u. a.: Der populäre Pakt. Verhandlungen der Moderne zwischen Operette und Feuilleton. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2018; (zusammen mit Thomas Frank, Albrecht Koschorke und Susanne Lüdemann) Der fiktive Staat. Konstruktionen des politischen Körpers in der Geschichte Europas. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch 2007.

Christoph Menke

Christoph Menke  ist Professor für Praktische Philosophie am Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen Politische Philosophie, Rechtsphilosophie sowie Theorien der Subjektivität und Ästhetik. Zu seinen Buchveröffentlichungen gehören u. a.: Die Kraft der Kunst. Berlin: Suhrkamp 2013; Autonomie und Befreiung. Studien zu Hegel. Berlin: Suhrkamp 2018; (Hg. zusammen mit Isabelle Graw): The Value of Critique. Exploring the Interrelations of Value, Critique, and Artistic Labour. Frankfurt a. M.: Campus 2019.

Johannes von Moltke

Johannes von Moltke ist Professor für Film, Fernsehen und Medien sowie für German Studies an der University of Michigan. Von 2018–20 war er Präsident der German Studies Association. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Geschichte und Theorie des Films und neuer Medien sowie kritische Theorie. Er ist Autor und Herausgeber u. a. von: The Curious Humanist. Siegfried Kracauer in America. Berkeley: University of California Press 2015; (Hg zusammen. mit Gerd Gemünden)Culture in the Anteroom. The Legacies of Siegfried Kracauer. Ann Arbor: University of Michigan Press 2012; (Hg. zusammen mit Sabine Biebl und Helmut Lethen) Siegfried Kracauers Grenzgänge. Zur Rettung des Realen. Frankfurt a. M.: Campus 2019.

Inka Mülder-Bach

Inka Mülder-Bach ist emeritierte Professorin für Neuere deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und seit 2012 Permanent Visiting Professor an der Princeton University. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören deutschsprachige Literatur vom 18. bis 20. Jahrhundert in komparatistischer Perspektive, Traditionen der Poetik und Ästhetik, Kulturtheorie der Moderne, Erzähltheorie und Poetik des Romans. Sie ist Herausgeberin der Werke von Siegfried Kracauer. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen zählen: Entfremdungschancen. Realismus und Exil bei Kracauer und Auerbach, in: Sabine Biebl, Helmut Lethen und Johannes von Moltke (Hg.): Siegfried Kracauers Grenzgänge. Zur Rettung des Realen. Frankfurt a. M. und New York: Campus 2019; (Hg. zusammen mit Jens Kersten und Martin Zimmermann) Prosa Schreiben. Literatur, Geschichte, Recht. Paderborn: Fink 2019.

Sighard Neckel

Sighard Neckel ist Professor für Gesellschaftsanalyse und Sozialen Wandel an der Universität Hamburg. Er ist Sprecher der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe »Zukünfte der Nachhaltigkeit« und Projektleiter im Sonderforschungsbereich »Affective Societies«. Zuletzt von ihm erschienen ist: (zusammen mit Lukas Hofstätter und Marco Hohmann) Die globale Finanzklasse. Business, Karriere, Kultur in Frankfurt und Sydney. Frankfurt a. M. und New York: Campus 2018.

Nia Perivolaropoulou

Nia Perivolaropoulou arbeitet als Filmwissenschaftlerin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Filmtheorie und -ästhetik, Film und Geschichte, (Film-)Geschichtsschreibung. Sie ist Herausgeberin der französischen Ausgabe von Kracauers Les Employés. Paris: Les Belles Lettres 2012; (mit Philippe Despoix) L’Histoire. Des avant-dernières choses. Paris: Stock 2006 und Théorie du film. La rédemption de la réalité matérielle. Paris: Flammarion 2010. Zu ihren weiteren Buchveröffentlichungen gehören u. a.: L’Atelier Cinématographique de Siegfried Kracauer. Lyon: De l'incidence éditeur 2018.

Inga Pollmann

Inga Pollmann ist Associate Professor für Filmwissenschaft am Department of Germanic and Slavic Languages and Literatures sowie am Department of English and Comparative Literature der University of North Carolina at Chapel Hill. Sie forscht an der Schnittstelle von Film- und Medienwissenschaften, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte. Ihre Arbeitsschwerpunkte umfassen die Geschichte der Filmtheorie und der Bedeutung des bewegten Bildes für die Ästhetik. Zuletzt ist von ihr erschienen: Cinematic Vitalism. Film Theory and the Question of Life. Amsterdam: Amsterdam University Press 2018.

Almut Poppinga

Almut Poppinga studierte in Lüneburg, Rennes, São Paulo und Frankfurt am Main Kulturwissenschaften, Kunstgeschichte und Soziologie. Sie ist Mitglied der wissenschaftlichen Geschäftsführung am Institut für Sozialforschung.

Till van Rahden

Till van Rahden lehrt Geschichtswissenschaft an der Université de Montréal und hatte dort von 2006 bis 2016 den Canada Research Chair in German and European Studies inne. Er forscht zur europäischen Geschichte seit der Aufklärung mit besonderer Berücksichtigung der Spannung zwischen dem Versprechen demokratischer Gleichheit und der wiederkehrenden Präsenz von Differenzen und moralischen Konflikten. Zu seinen Buchveröffentlichungen gehören u. a.: Demokratie. Eine gefährdete Lebensform. Frankfurt a. M.: Campus 2019; Vielheit. Jüdische Geschichte und die Ambivalenzen des Universalismus. Hamburg: Hamburger Edition 2022.

Gérard Raulet

Gérard Raulet ist emeritierter Professor für deutsche Ideengeschichte an der Université Paris-Sorbonne. Von 1999 bis 2003 war er Direktor des Forschungszentrums »Philosophie politique contemporaine« am Centre national de la recherche scientifique (CNRS), derzeit leitet er die »Groupe de recherche sur la culture de Weimar« an der Stiftung Maison des Sciences de l’Homme in Paris und ist Gastprofessor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Zuletzt veröffentlichte er: Das befristete Dasein der Gebildeten. Benjamin und die französische Intelligenz. Konstanz: Konstanz University Press 2020; (Hg. zusammen mit Pierre-François Noppen) Théorie critique de la propagande. Paris: Éditions de la Maison des sciences de l'homme 2020.

Juliane Rebentisch

Juliane Rebentisch ist Professorin für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main, Mitglied des Kollegiums am Institut für Sozialforschung (IfS) und Regular Visiting Professor am German Department der Princeton University. Sie ist Autorin u. a. von: Die Kunst der Freiheit. Zur Dialektik demokratischer Existenz. Berlin: Suhrkamp 2012; Theorien der Gegenwartskunst zur Einführung. Hamburg: Junius 2013; Der Streit um Pluralität. Auseinandersetzungen mit Hannah Arendt. Berlin: Suhrkamp 2022.

Hendrik Reeh

Henrik Reeh ist Associate Professor für Humanistische Stadtstudien und Moderne Kultur am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaft an der Universität Kopenhagen. Er ist Kopenhagener Direktor des interdisziplinären Erasmus Mundus Masterstudiengangs »4CITIES – Euromaster in Urban Studies« und lehrt in Bruxelles, Wien und Madrid. Seit 2017 ist er Mitglied des Ph.D.-Programms für Architektur und Ästhetik an der Universität Bologna, Italien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Urbanität, Kunst im öffentlichen Raum, Fotografie als wissenschaftliche Praxis und Kulturtheorie. Er ist Autor u. a. von: Ornaments of the Metropolis. Siegfried Kracauer and Modern Urban Culture. Cambridge: MIT Press 2004.

Carsten Ruhl

Carsten Ruhl ist Professor für Architekturgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie Sprecher des Center for Critical Studies in Architecture (CCSA) und des LOEWE-Schwerpunkts »Architekturen des Ordnens. Praktiken und Diskurse zwischen Entwerfen und Wissen«. Zu seinen Forschungsinhalten zählen architektonische Ordnungskonzepte in Institutionen, Netzwerken und Organisationen, Konstruktionen des architektonischen Subjekts sowie historiografische Perspektiven der Architekturgeschichte. Aktuelle Veröffentlichungen sind u. a.: Kracauer's Architecture. The Ornamental Nature of the New Capitalist Order. Weimar: MBooks 2022.

Jörg Später

Jörg Später ist freier Lektor und Mitarbeiter der Forschungsgruppe Zeitgeschichte der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er forscht zu Siegfried Kracauer, der Geschichte der Frankfurter Schule in der Bonner Bundesrepublik und deren Weiterentwicklung nach Adornos Tod 1969. Zu seinen Buchveröffentlichungen gehört: Siegfried Kracauer. Eine Biographie. Berlin: Suhrkamp 2016. Jüngst erschien das von ihm herausgegebene Heft »Metamorphosen der Kritischen Theorie« des Mittelweg 36, 3.2021.

Bernd Stiegler

Bernd Stiegler ist Professor für Neuere deutsche Literatur mit Schwerpunkt 20. Jahrhundert im medialen Kontext an der Universität Konstanz. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Geschichte und Theorie der Fotografie sowie die deutsche und französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Zuletzt veröffentlicht hat er: (zusammen mit Felix Thürlemann) Konstruierte Wirklichkeiten. Die fotografische Montage 1839–1900. Basel: Schwabe 2019; Nadar. Bilder der Moderne. Köln: Walther König 2019.

Ferdinand Sutterlüty

Ferdinand Sutterlüty ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Familien- und Jugendsoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und war in verschiedenen Funktionen am Institut für Sozialforschung (IfS) tätig, zuletzt als kommissarischer Direktor. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen u. a.: (Hg. mit Vera King) »Destruktivität und Regression im Rechtspopulismus«, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 1.2021; (Hg. mit Almut Poppinga) Verdeckter Widerstand in demokratischen Gesellschaften. Frankfurt a. M. und New York: Campus 2022 (erscheint im September).

Barbara Thériault

Barbara Thériault ist Professorin am Département de sociologie und am Centre canadien d’études allemandes et européennes der Université de Montréal. Zurzeit ist sie Fellow am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt, Stadtschreiberin von Halle (Saale) und Friseurin in Ausbildung. Sie schreibt und übersetzt soziologische Feuilletons und Miniaturen vom Deutschen ins Französische. Zuletzt erschienen sind von ihr: (zusammen mit Thomas Schmidt-Lux) Siegfried Kracauer und die Kultursoziologie, in: Stephan Moebius, Frithjof Nungesser und Katharina Scherke (Hg.): Handbuch Kultursoziologie. Band 1: Begriffe – Kontexte – Perspektiven – Autor_innen. Wiesbaden: Springer VS 2019, 511–518; Die Bodenständigen. Erkundungen aus der nüchternen Mitte der Gesellschaft. Leipzig: edition überland 2020.


Felix Trautmann

Felix Trautmann ist seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung. In den Jahren 2019-2021 war er zudem als Gast- und Vertretungsprofessor an der HfG Offenbach und der Kunstakademie Düsseldorf tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der politischen Philosophie, Ästhetik und Gesellschaftstheorie. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen: Das Imaginäre der Demokratie. Politische Befreiung und das Rätsel der freiwilligen Knechtschaft. Konstanz: Konstanz University Press 2020 sowie Im Sinne der Materialität. Film und Gesellschaft nach Siegfried Kracauer (gemeinsam herausgegeben mit Leonie Hunter). Berlin: Bertz+Fischer 2022. 



    

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